Nachruf Wlada

Wla­da Rugg­le, zu früh bist du von uns gegan­gen. Uner­setz­lich erscheint dein Wir­ken, ein­zig­ar­tig stand es im deut­schen Kul­tur­raum, in dem mir nie­mand sonst bekannt war, der so fröh­lich und vor­aus­set­zungs­los die hei­len­de Wir­kung des Rei­gen­tan­zes brach­te. Mit so viel Lebens­kraft und Her­zens­freu­de, die von dir aus­strah­lend alle ansteck­te, jung oder alt, lock­te es jeden aus sei­nem see­li­schen Eck in die Gemein­schaft. Du warst mehr als nur eine gebo­re­ne Tän­ze­rin, du warst auch eine gebo­re­ne Scha­ma­nin und Hei­le­rin. Es ist eine Sache eine fröh­li­che Tanz­par­ty anzu­lei­ten, es ist noch etwas ande­res ein ernst­haf­tes Ritu­al zum Dank von Mut­ter Erde zu erschaf­fen und durch­zu­füh­ren, aber bei­des so gekonnt zu Einem zu ver­bin­den, das kann­te ich nur von Wla­da. Man spür­te die höhe­re Auto­ri­sa­ti­on, die ihr die­se wah­re Beru­fung gebracht hat, die sie leb­te. Dass Wla­da mit inne­rer Beru­fung unter­wegs war, merk­te ich als Fest­or­ga­ni­sa­tor u.a. an ihrer sehr ent­ge­gen­kom­men­den Art, immer noch einen drauf setz­tend mit zusätz­li­chen Ange­bo­ten wie den Frau­en­krei­sen oder ein paar spon­ta­nen Gesell­schafts­pie­len, die sie stets aus dem Ärmel schüt­teln konn­te. Wenn sie da war, zeig­te sie vol­le Prä­senz, war hell­wach, ver­spielt und mun­ter wie ein Kind, sowie glas­klar, ver­bind­lich und 100%ig in jeder ihrer Ansa­gen und Aus­sa­gen, wie man es sich von einem guten Pro­jekt­part­ner eben nur wün­schen kann. Kei­ne Zeit ver­ging mit War­ten auf eine Ant­wort von ihr und mit einer Hand voll kur­zen Text­nach­rich­ten oder einem ein­zel­nen Tele­fo­nat konn­te ich mich voll­stän­dig auf sie ver­las­sen. Abzu­spre­chen gab es sowie­so wenig, sie war genüg­sam, kam, wirk­te und hin­ter­ließ bei mir stets gro­ße Bewunderung.

Wir soll­ten ler­nen von die­ser muti­gen Mei­ste­rin der hei­li­gen Tanz­ri­tua­le. Lasst uns mutig nach innen schau­en, damit jeder genau­so sei­ne Beru­fung fin­den kann wie sie. In irgend­wel­che Lebens­um­stän­de hin­ein­ge­bo­ren wor­den zu sein ist das Eine, was auch bei Wla­da vor­be­rei­tend wirk­te, das Ande­re aber ist, dar­aus etwas für die Mensch­heit zu machen. Das ist ihr gut gelun­gen. Wir brau­chen noch mehr solch ein­zig­ar­ti­ge Schöp­fer, wel­che ihre Mit­men­schen beherzt an die Hand neh­men und zum Spiel des Lebens ein­la­den zum Woh­le des gro­ßen Gan­zen. Wla­da deu­te­te uns gegen­über an, dass sie sich wün­schen wür­de ihre Tra­di­tio­nen an jeman­den wei­ter­zu­ge­ben. Hof­fent­lich wird jemand den Rei­gen fort­füh­ren, oder am besten gleich meh­re­re Men­schen, denn eigent­lich gibt es viel zu wenig davon! Nun habe ich kein sla­wi­sches Blut in mir flie­ßen, aber min­de­stens ihre ulki­gen Gesell­schafts­spie­le wer­den wir wei­ter­spie­len! Lasst es uns so sehen, dass sie einen Anfang gesetzt hat, indem sie etwas (wie­der?) hier­her gebracht hat, was qua­si aus­ge­stor­ben war. Sie hat einen Samen gesät, lasst uns gie­ßen. Ja, manch­mal schei­det jemand aus dem Rei­gen des Lebens aus, aber wenn das Kind wie­der­kommt, mag es wie­der in einem lachen­den Kreis auf­ge­nom­men werden.